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Sexuell übertragbare Infektionen

Dieser Abschnitt liefert die wichtigsten Informationen zu Übertragungswegen, Symptomen und Behandlung der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen (STIs).

Sexuell übertragbare Infektionen können durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten verursacht werden.

Bakterielle Infektionen kann man mit Antibiotika heilen, gegen einige Viren gibt es antivirale Medikamente, gegen Pilze helfen Antimykotika, und mit Lotionen und Ähnlichem kann man Parasiten-Erkrankungen wie Krätze (Skabies) oder Filzläuse behandeln.

Chlamydien

Die Ursache von Chlamydien-Infektionen sind Bakterien namens Chlamydia trachomatis.

Übertragungswege und Schutzmaßnahmen

Die Bakterien können bei Anal-, Oral- und Vaginalverkehr ohne Kondom übertragen werden und Anus, Penis, Gebärmutter, Hals/Rachen und Augen befallen. Bei der Geburt können Chlamydien auch von der Mutter auf das Baby übertragen werden und zu Augeninfektionen, Atemstörungen und Lungenentzündungen führen (siehe auch den Eintrag zu LGV, das durch spezielle Typen von Chlamydia trachomatis verursacht wird).

Vor Chlamydien kann man sich schützen, indem man beim Vaginal- oder Analverkehr Kondome benutzt, beim Oralverkehr ein Kondom oder ein Dental Dam verwendet und Sexspielzeuge nicht gemeinsam benutzt.

Symptome

Symptome der Chlamydien-Infektion treten normalerweise eine bis drei Wochen nach der Ansteckung auf. Viele Infizierte bemerken aber gar nicht, dass sie sich angesteckt haben. Man nimmt an, dass 75 % der Frauen und 50 % der Männer mit Chlamydien keine Symptome haben.

Wenn Symptome auftreten, bestehen sie bei Männern in der Regel in einem milchigen Ausfluss aus dem Penis (besonders am Morgen) und einem brennenden Gefühl beim Wasserlassen. Die Hoden können schmerzhaft anschwellen. Bei Frauen mit Chlamydien kannein milchiger Ausfluss aus der Vagina auftreten, möglich sind auch Schmerzen im Unterbauch, Rückenschmerzen oder Schmerzen beim Sex. Darüber hinaus kann es zu vaginalen Blutungen beim Sex, zu Blutungen zwischen zwei Monatsblutungen und zu Schmerzen beim Wasserlassen kommen.

Bei einer analen Infektion kann der Analbereich wund sein, und es kann zu Ausfluss aus dem Anus kommen.

Wenn eine Chlamydien-Infektion nicht behandelt wird, kann sie bei Frauen zu einer Entzündung des kleinen Beckens führen (PID = pelvic inflammatory disease), was wiederum eine Bauchhöhlenschwangerschaft und Unfruchtbarkeit zur Folge haben kann. Auch bei Männern können Chlamydien zu Unfruchtbarkeit führen, da sie eine Epididymytis (Nebenhodenentzündung) verursachen können (die Nebenhoden verbinden die Hoden mit dem Samenleiter).

In seltenen Fällen kann auch die Blutzufuhr zu den Hoden abgeschnitten werden. Bei Männern (seltener auch bei Frauen) kann das Reiter-Syndrom auftreten, eine Reaktion auf Chlamydien, die zu Arthritis sowie Harnröhren- und Augenentzündungen führen kann.

Diagnose

Chlamydien werden diagnostiziert, indem man einen Abstrich aus der Penisspitze, aus der Gebärmutter, dem Analbereich oder der Vagina untersucht. Die Prozedur kann ein wenig unangenehm sein, ist aber in der Regel schnell überstanden. In manchen Kliniken führt man auch Urinuntersuchungen durch, um Chlamydien-Infektionen festzustellen.

Es kann bis zu einer Woche dauern, bis das Untersuchungsergebnis vorliegt. Wichtig ist, dass Sie sich Ihr Ergebnis abholen, damit Sie sich, falls eine Infektion nachgewiesen wurde, behandeln lassen können.

Behandlung

Chlamydien-Infektionen werden mit Antibiotika behandelt, normalerweise mit Doxycyclin über sieben Tage oder mit einer Einmaldosis Azithromycin. Nehmen Sie auf jeden Fall alle Tabletten, damit die Infektion vollständig geheilt wird. Wichtig ist auch, dass sich Ihr Partner oder Ihre Partnerin behandeln lässt, bevor Sie wieder Sex miteinander haben. Die Symptome können noch einige Tage nach der Einnahme von Azithromycin anhalten, da die volle Wirkung erst nach einiger Zeit erreicht wird.

Um eine erneute Ansteckung mit Chlamydien zu verhindern, wird man Ihnen raten, bis zum Ende der Behandlung keinen Sex zu haben (nicht einmal Sex mit Kondom).

Genital- und Analwarzen (Feigwarzen)

Genital- und Analwarzen werden durch Humanpapillomaviren (HPV) verursacht. HPV-Infektionen gehören zu den am weitesten verbreiteten sexuell übertragbaren Infektionen.

Übertragungswege und Schutzmaßnahmen

Die Viren können beim ungeschützten Anal-, Vaginal- oder Oralverkehr und bei anderen engen körperlichen Kontakten übertragen werden. Kondome können das Übertragungsrisiko reduzieren.

Symptome

Genitalwarzen sehen ähnlich aus wie andere Warzen irgendwo am Körper – im Allgemeinen handelt es sich um kleine Knötchen auf der Haut mit einer rauen Oberfläche. Einige Menschen, die sich mit HPV infizieren, haben keine sichtbaren Warzen oder bemerken sie nicht; die Warzen können überall im Genital- und Analbereich auftreten.

Einige HPV-Typen sind mit einem erhöhten Risiko für Gebärmutterhalskrebs und Analkrebs verbunden, welches bei Menschen mit HIV noch einmal erhöht ist.

Diagnose

Genitalwarzen stellt man per Blickdiagnose und Tastuntersuchung des Genital- und Analbereichs fest.

Um Krebsvorstufen in der Gebärmutter zu entdecken (sogenannte Neoplasien), bevor sich ein Gebärmutterhalskrebs entwickelt, wird eine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung empfohlen, auch PAP-Abstrich-Untersuchung oder Gebärmutterhals-Abstrich genannt.

Dabei werden einige Zellen aus der Region

des Gebärmutterhalses entnommen, um sie im Labor auf Anzeichen von Zellveränderungen zu untersuchen, aus denen sich irgendwann einmal ein Gebärmutterhalskrebs entwickeln könnte.

Behandlung

Häufig kann das Immunsystem selbst mit HPV-Infektionen fertig werden, auch wenn das längere Zeit dauern kann. Sichtbare Warzen kann man mit verschiedenen Verfahren entfernen, zum Beispiel durch Verätzen, Vereisen, Lasern oder Auftragen sogenannter immunmodulatorischer Cremes.

Gegen einige HPV-Typen, die für Anal- und Gebärmutterhalskrebs sowie Feigwarzen verantwortlich gemacht werden, gibt es Impfstoffe. Ob sie auch bei Menschen mit HIV eingesetzt werden können und wirksam sind, wird derzeit in Studien untersucht. Einige Ärzte bieten HIV-Positiven Impfungen mit diesen Impfstoffen an, doch sind sie teuer und überdies nutzlos, wenn Sie bereits mit einem HPV-Stamm infiziert sind, vor dem der Impfstoff eigentlich schützen soll. Wenn Sie bereit sind, die Kosten selbst zu tragen, sollten Sie Vor- und Nachteile der Impfungen mit dem Arzt besprechen.

HIV-positiven Frauen wird empfohlen, möglichst bald nach ihrer Diagnose und im Anschluss regelmäßig eine Früherkennungsuntersuchung in Anspruch zu nehmen. Die europäischen Leitlinien empfehlen, alle drei Jahre eine solche Untersuchung vornehmen zu lassen, einige nationale Leitlinien sehen kürzere Abstände vor. Krebsvorstufen lassen sich gut behandeln, wenn sie früh erkannt werden.

Ob Untersuchungen eines Abstrichs aus dem Analkanal sinnvoll sind, wird derzeit in Studien überprüft – möglicherweise ist eine solche Untersuchung in manchen HIV-Kliniken schon bald Teil des Standardprogramms.

Gonorrhö (Tripper)

Gonorrhö ist eine bakterielle, sexuell übertragbare Infektion.

Übertragungswege und Schutzmaßnahmen

Gonorrhö kann beim Anal-, Vaginal- und Oralverkehr sowie bei oral-analem Sex (Rimming) übertragen werden. Gonorrhö kann den Anus, den Penis, den Gebärmutterhals und die Gebärmutter sowie den Rachen betreffen.

Eine unbehandelte Gonorrhö kann die Infektiosität (Ansteckungsfähigkeit) von Menschen mit HIV erhöhen. Bei HIV-Negativen erhöht eine Gonorrhö das HIV-Ansteckungsrisiko, wenn es zu einer HIV-Exposition kommt.

Gonorrhö kann bei einer (vaginalen) Entbindung von der Mutter auf das Kind übertragen werden und zu einer Augenentzündung führen; wird diese nicht behandelt, kann das Kind erblinden. Die Erreger können sich auch über den Blutkreislauf ausbreiten, zu einer Blutvergiftung (Sepsis = eine schwere Entzündungsreaktion des Körpers) und möglicherweise auch zu einer Form der Meningitis (Hirnhautentzündung) führen.

Vor einer Gonorrhö schützen kann man sich, indem man beim Vaginal- oder Analverkehr Kondome benutzt, beim Oralverkehr ein Kondom oder Dental Dam verwendet und Sexspielzeuge nicht gemeinsam benutzt.

Symptome

Bei Männern zeigen sich Symptome normalerweise als gelblicher Ausfluss aus dem Penis und brennende Schmerzen beim Wasserlassen. Die Hoden können schmerzen und anschwellen.

Zu den Symptomen bei Frauen können Brennen beim Wasserlassen und ein farbloser oder blutiger Ausfluss aus der Vagina gehören. Bei einer rektalen Infektion (im Enddarm) kann es bei Männern wie bei Frauen zu einem schleimigen oder blutigen Ausfluss aus dem Anus, Schmerzen im Anus oder Schmerzen beim Analverkehr kommen. Eine Gonorrhö im Rachen ist normalerweise nicht mit Symptomen verbunden.

Symptome der Gonorrhö treten in der Regel zwei bis zehn Tage nach der Ansteckung auf, gelegentlich kann das aber auch bis zu drei Wochen dauern. Manche Menschen bemerken aber auch gar keine Krankheitszeichen, weil die Symptome sehr mild sein können oder sich nicht ständig bemerkbar machen.

Eine unbehandelte Gonorrhö kann schwere gesundheitliche Folgen haben, bei Frauen zum Beispiel eine Entzündung des kleinen Beckens (PID), die zu Schmerzen, Unfruchtbarkeit oder Eileiterschwangerschaften führen kann, bei Männern Hodenprobleme und eine Verengung der Harnröhre.

Außerdem können sich die Erreger bei einer unbehandelten Gonorrhö über den Blutkreislauf ausbreiten und Fieber verursachen sowie die Gelenke befallen, was zu Arthritis und Schwellungen führen kann. Auch Hautprobleme und eine Form der Hirnhautentzündung sind möglich.

Diagnose

Es gibt verschiedene Wege, eine Gonorrhö festzustellen. Wenn Sie Symptome haben, kann man einen Abstrich aus der Penisspitze, aus dem Anus, der Harnröhre, dem Rachen oder dem Gebärmutterhals machen, was ein bisschen unangenehm sein kann. Liegen keine Symptome vor, kann man eine Urinprobe im Labor untersuchen. Bei der Untersuchung eines Abstrichs aus dem Genitalbereich von Patienten mit Symptomen kann man normalerweise unmittelbar feststellen, ob eine Gonorrhö vorliegt, bei Abstrichen aus dem Rachen dauert es länger, bis ein Ergebnis vorliegt.

Unabhängig vom Infektionsort kann es aber auch bis zu drei Tage dauern, bis die Diagnose klar ist. Es ist deshalb wichtig, dass Sie Ihr Ergebnis in der Klinik abholen.

Behandlung

Eine Gonorrhö wird mit Antibiotika behandelt. Da einige Erreger gegen bestimmte Antibiotika resistent sein können, wird ein Abstrich ins Labor geschickt, um festzustellen, welche Antibiotika bei Ihnen am besten wirken.

Es ist sehr wichtig, während der Behandlung und in der Woche nach dem Behandlungsende keinen Anal-, Oral- und Vaginalverkehr zu haben, um sich nicht erneut mit Gonorrhö anzustecken oder die Infektion auf andere zu übertragen. Außerdem sollten sich auch Ihre letzten Sexpartner in einer Klinik für sexuelle Gesundheit untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen.

Hepatitis A

Hepatitis-A-Virus (HAV) ist ein Virus, das eine Leberentzündung auslöst.

Übertragungswege und Schutzmaßnahmen

HAV wird durch Aufnahme von Spuren infizierter Körperausscheidungen (Kot) übertragen, normalerweise über verunreinigtes Trinkwasser oder rohe oder nicht genügend gegarte verunreinigte Lebensmittel, z. B. Muscheln oder Salat.

Darüber hinaus kann Hepatitis-A-Virus auch beim Sex übertragen werden, vor allem bei oral-analen Kontakten (Rimming). In den letzten Jahren ist es in mehreren Städten zu Hepatitis-A-Ausbrüchen unter schwulen Männern gekommen. Wenn man einmal eine Hepatitis A durchgemacht hat, ist man vor einer weiteren Ansteckung geschützt. Bei einigen Menschen kann es allerdings zu Hepatitis-A-Rückfällen kommen.

Wichtig ist eine gute persönliche Hygiene, um HAV-Übertragungen möglichst zu vermeiden. Das heißt in erster Linie, sich nach dem Toilettengang und vor der Zubereitung von Nahrung die Hände zu waschen.

Impfung

Anders als bei den meisten anderen sexuell übertragbaren Infektionen gibt es eine Impfung gegen Hepatitis A. Diese Impfung wird allen Menschen mit HIV empfohlen, sofern sie nicht schon (aufgrund einer durchgemachten Hepatitis A) einen natürlichen Impfschutz besitzen. Ein Impfdurchgang besteht aus zwei Spritzen im Abstand von sechs Monaten, der Impfschutz hält etwa zehn Jahre.

Symptome

Hepatitis-A-Virus verursacht normalerweise nur milde Symptome. Manchmal kommt es zu einer Gelbfärbung von Haut und Augen (Gelbsucht), zu extremer Müdigkeit, Gewichtsverlust, Erbrechen, Durchfall, einer Dunkelfärbung des Urins und einer Entfärbung des Stuhls (Kots). Alkohol, Tee und Kaffee oder fettreiches Essen können die Symptome verstärken. In der Regel fühlt man sich bereits nach einigen Tagen oder Wochen wieder besser.

Diagnose

Mit Blutuntersuchungen lässt sich nachweisen, ob eine frische HAV-Infektion vorliegt oder ob man schon einmal eine Hepatitis A durchgemacht hat. In Kliniken für sexuelle Gesundheit gehören Tests auf Hepatitis A nicht zum Standardprogramm, aber vielleicht sind Sie bereits in Ihrer HIV-Klinik untersucht worden.

Behandlung

Eine spezielle Behandlung gegen Hepatitis A gibt es nicht, empfohlen werden Ruhe, die Aufnahme von genügend Flüssigkeit und die Vermeidung von Alkohol und Drogen. Wichtig ist, in der Erholungsphase kein Paracetamol einzunehmen. Bei Menschen mit HIV oder geschwächtem Immunsystemkann eine Hepatitis A länger anhalten. Wenn HIV-Positive unter einer ART sich mit HAV infizieren, müssen die HIV-Medikamente unter Umständen eine Zeitlang abgesetzt werden. Der Grund ist, dass die meisten Medikamente in der Leber abgebaut werden – wenn die Leber entzündet ist, kann sie nicht mehr so gut arbeiten wie sonst, wodurch sich Nebenwirkungen der Medikamente verschlimmern können.

Hepatitis B

Eine Hepatitis B ist eine virusbedingte Leberentzündung.

Übertragungswege

Hepatitis-B-Virus (HBV) wird durch den Kontakt mit Blut, Sperma, Speichel oder Vaginalflüssigkeit einer infizierten Person übertragen. HBV wird sehr leicht beim ungeschützten Sex und bei der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen. HBV ist sehr viel ansteckender als HIV.

Das Übertragungsrisiko lässt sich reduzieren, indem man beim Vaginal- oder Analverkehr Kondome benutzt, beim Oralverkehr ein Kondom oder Dental Dam verwendet und Sexspielzeuge nicht gemeinsam benutzt.

Impfung

Menschen mit HIV wird empfohlen, sich gegen Hepatitis B impfen zu lassen, sofern sie keinen natürlichen Impfschutz (aufgrund einer bereits durchgemachten Hepatitis B) haben. Ein Impfdurchgang besteht aus drei Spritzen im Abstand mehrerer Monate. Bei geschwächtem Immunsystem kann ein Impfschutz gegen Hepatitis B verloren gehen. Menschen mit HIV sollten daher regelmäßig ihren Impfstatus überprüfen lassen.

Symptome

Nach einer Ansteckung mit HBV kann es zu einem Ikterus (Gelbfärbung von Augenschleimhäuten und Haut), zu Appetitverlust, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen, Muskel- und Gelenkschmerzen oder Fieber kommen. Diese Symptome können sehr schwerwiegend, in höchst seltenen Fällen sogar tödlich sein. Die meisten Menschen bemerken allerdings überhaupt keine Symptome.

Schon früh im Infektionsverlauf entwickeln die meisten Menschen einen natürlichen Schutz vor einer weiteren Ansteckung. Bei ungefähr 10 % der infizierten Erwachsenen allerdings vermehrt sich HBV weiterhin. Diese Menschen sind in der Regel für den Rest ihres Lebens ansteckend, auch wenn sie vielleicht selbst keine Symptome haben. Bei einigen HBV-Trägern entwickelt sich eine chronische Leberentzündung, wodurch sie ein erhöhtes Risiko für eine Leberschrumpfung (Leberzirrhose) oder Leberkrebs haben.

Bei HIV-Positiven ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hepatitis B chronisch wird, größer als bei nicht mit HIV infizierten Menschen.

Bei Menschen mit HIV kann die HBV-Menge in den Körperflüssigkeiten größer sein als bei HIV-Negativen, weil ihr Immunsystem die Hepatitis-B-Viren nicht so effektiv bekämpft. HIV-positive HBV-Träger können daher ansteckender sein als HIV-negative HBV-Träger.

Diagnose

Mit Blutuntersuchungen lassen sich Antikörper gegen HBV nachweisen – sie zeigen, dass Sie Kontakt mit HBV hatten und dass Ihr Immunsystem das Virus erfolgreich bekämpft hat. Wenn Sie Kontakt mit HBV hatten und Ihr Körper keine schützenden Antikörper gebildet hat, bleiben Virusbestandteile namens Hepatitis-B-Oberflächen-Antigen (HBsAg) in Ihrem Blut. Das bedeutet, dass Sie ein chronischer Virusträger sind und andere Leute anstecken können. Bei einer Untergruppe der chronischen Träger ist auch HBe-Antigen nachweisbar; diese Infizierten sind hoch infektiös.

Behandlung

Bei einer akuten Hepatitis B ist es wichtig, sich auszuruhen, viel zu trinken und Alkohol sowie Partydrogen zu vermeiden.

Wenn Sie HIV-positiv sind und zusätzlich eine chronische HBV-Infektion haben, müssen Sie von einem Arzt behandelt werden, der sich sowohl mit der Hepatitis-B-Behandlung als auch mit der HIV-Therapie auskennt.

Zur Behandlung der Hepatitis B stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung.

Auch einige HIV-Medikamente wirken gegen HBV.

Wenn Sie HIV/HBV-koinfiziert sind, sollten Sie mit Ihrem HIV-Arzt darüber sprechen, was das für Ihre HIV-Behandlung bedeutet.

Hepatitis C

Eine Hepatitis C ist eine virusbedingte Leberentzündung.

Übertragungswege und Schutzmaßnahmen

Hepatitis-C-Virus (HCV) wird normalerweise über Blut-Blut-Kontakt übertragen. In der letzten Zeit sind jedoch immer mehr HCV-Infektionen bei HIV-positiven schwulen Männern festgestellt worden, bei denen der einzige Risikofaktor ungeschützter Sex war.

Weitere Faktoren, die mit der sexuellen Übertragung von HCV verbunden zu sein scheinen, sind Gruppensex, das Spritzen oder Sniefen von Drogen, die Aufnahme von Drogen über den Anus und weitere sexuell übertragbare Infektionen bei einem der Partner, insbesondere Syphilis oder LGV.

Richtig angewendet, können Kondome das Risiko einer sexuellen HCV-Übertragung reduzieren. Beim Fisten Latexhandschuhe tragen und nicht mit anderen in denselben Gleitmitteltopf greifen. Sexspielzeug nicht gemeinsam verwenden.

Gegen Hepatitis C gibt es keine Impfung. Anders als bei Hepatitis A und B ist man nach einer durchgemachten Hepatitis C nicht vor einer neuen Ansteckung geschützt, man kann sich also mehrmals mit HCV infizieren.

Symptome

Hepatitis-C-Infektionen können sehr unterschiedlich verlaufen. Bei weniger als 5 % der Infizierten treten nach der Ansteckung (während der akuten Infektion) Symptome wie eine „Gelbsucht“ oder Übelkeit auf, und eine nicht unbeträchtliche Minderheit hat zu keinem Zeitpunkt der Infektion Krankheitszeichen. Wenn Symptome auftreten, handelt es sich meistens um extreme Müdigkeit und Depressionen.

Diagnose

Mit einem Bluttest auf Antikörper gegen HCV kann man feststellen, ob Sie Kontakt mit HCV hatten. Da solche Tests aber falsch negative Ergebnisse haben können (insbesondere in frühen Stadien der Infektion), kann ein PCR-Test (zur Messung der Viruslast) eingesetzt werden, um eine Infektion festzustellen.

Leberfunktionstests geben Hinweise darauf, ob die Hepatitis C Ihre Leber geschädigt hat, aber um sicherzugehen, setzen Ärzte in der Regel eine weitere Untersuchung ein, entweder eine Leberbiopsie (dazu wird ein kleines Stück Lebergewebe entfernt und dann untersucht) oder ein Verfahren namens FibroScan, das in immer mehr Behandlungszentren eingesetzt wird.

Bei Menschen mit HIV kann die HCV-Diagnose schwieriger sein, da Tests auf Antikörper gegen HCV manchmal nicht anschlagen.

Behandlung

Wie bei der Hepatitis B sollte die Behandlung durch einen Arzt erfolgen, der sich sowohl mit der HIV-Therapie als auch mit der Behandlung bei HIV/HCV-Koinfektion auskennt.

Zu den Zielen der Behandlung gehört, die Hepatitis zu heilen (HCV aus dem Körper zu entfernen), die Leberenzyme (sie geben Hinweise auf die Leberfunktion) zu normalisieren, die Leberentzündung zu stoppen, das Fortschreiten zu einer Leberzirrhose oder zu Leberkrebs zu verhindern und die Virusverbreitung einzudämmen.

Die Hepatitis-C-Behandlung dauert normalerweise 24 oder 48 Wochen. Für die Therapie sind antivirale Mittel zugelassen. Die Standard-Behandlung besteht derzeit aus Ribavirin und Interferon.

Die Behandlung kann schwere Nebenwirkungen haben, so etwa hohes Fieber, Gelenkschmerzen, Haarausfall, Depressionen und eine Verringerung der Zahl der weißen Blutkörperchen. Mit der Zeit können solche Nebenwirkungen nachlassen.

Wichtig ist, dass Männer unter einer Ribavirin-Behandlung keine Kinder zeugen und dass ihr Sperma das ungeborene Kind nicht erreicht. Paare, bei denen ein Partner mit Ribavirin behandelt wurde, sollten nach dem Therapieende noch mindestens sechs Monate lang für eine sichere Schwangerschaftsverhütung sorgen und auf ungeschützten Sex verzichten.

Die Hepatitis-C-Behandlung ist nicht immer erfolgreich. Am besten sind die Erfolgsaussichten bei einer frischen Infektion (bis drei, vier Monate nach der Ansteckung).

Wenn Sie zusätzlich zu Ihrer HIV-Infektion mit HCV infiziert sind, wird Ihnen besonders dringlich empfohlen, mit der HIV-Therapie zu beginnen, wenn die CD4-Zellzahl 350 erreicht.

Herpes

Herpes wird durch das weit verbreitete Herpes-simplex-Virus (HSV) verursacht.

Herpes ist mit schmerzhaften Bläschen und Geschwüren im/am Mund, an den Genitalien oder im/am Anus verbunden.

Nach einer Ansteckung bleibt das Virus lebenslang in Nervenzellen. Viele Leute wissen gar nicht, dass sie HSV-infiziert sind. Die meiste Zeit „ruht“ das Virus und verursacht keine Symptome. Von Zeit zu Zeit aber kann es aktiv werden, vor allem bei geschwächtem Immunsystem. Auch bei HIV-Negativen kann es z. B. bei Stress, einer ganz normalen Erkältung oder bei starker Bestrahlung mit UV-Licht, etwa im Urlaub, aktiviert werden.

Es gibt zwei HSV-Typen, die beide sowohl orale als auch genitale Infektionen verursachen können. HSV-1 führt normalerweise zu Lippenherpes („Fieberbläschen“) mit Kribbeln oder Schmerzen, meist am Übergang von den Lippen zur Gesichtshaut. Gelegentlich kann Herpes auch an den Nasenlöchern, am Zahnfleisch oder am Gaumen auftreten. HSV-1 kann darüber hinaus auch eine genitale Infektion verursachen.

Schmerzhafte genitale oder anale Geschwüre, manchmal begleitet von Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Unwohlsein, können sowohl von HSV-1 als auch von HSV-2 verursacht werden. Herpesbläschen kündigen sich oft mit Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Jucken an. Diese Empfindungen zeigen an, dass die Viren entlang der Nerven zur Haut wandern. Dort verursachen sie zunächst kleine Erhebungen, die sich dann schnell zu kleinen, entzündeten, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen entwickeln. Diese platzen dann und bekommen eine Kruste. Bei Menschen mit normal funktionierendem Immunsystem sind sie nach ein bis zwei Wochen abgeheilt.

Übertragungswege und Schutzmaßnahmen

Das Virus kann beim Kontakt zwischen Geschwüren oder Bläschen und den Schleimhäuten übertragen werden, zum Beispiel beim Küssen und bei Anal-, Vaginal- oder Oralverkehr.

Bei aktivem Herpes sollten Sie sexuelle Kontakte vermeiden.

Herpesviren können auch dann übertragen werden, wenn es keine offenen Stellen gibt. HSV kann auch über die Haut, vor allem über Schleimhaut ausgeschieden werden. Bei Menschen mit HIV ist die Wahrscheinlichkeit, dass HSV ausgeschieden wird, höher. Kondome bieten keinen vollständigen Schutz vor HSV, da sie nicht immer alle betroffenen Gebiete abdecken.

Eine genitale Herpesinfektion erhöht das Risiko einer HIV-Übertragung auf andere und für HIV-Negative das Risiko, sich mit HIV zu infizieren.

Bei Menschen mit HIV kann es häufiger zu Herpes-Rezidiven kommen (Rezidiv = Wiederauftreten), und die Erkrankung kann schwerer verlaufen und länger andauern. Manchmal können sich die Herpeswunden auch mit Bakterien oder Pilzen infizieren. HSV kann bei Menschen mit HIV zu großflächigen oralen und genitalen Wunden führen und gelegentlich auch den Rachen und die Augen befallen.

Diagnose

Eine HSV-Infektion kann man feststellen, indem man das Virus in einem Abstrich aus einem offenen Bläschen oder mit einem Fluoreszenz-Test nachweist. Zu Forschungszwecken wird auch ein Test eingesetzt, der Virus-Erbsubstanz nachweisen kann; dieser Test ist aber nicht allgemein verfügbar. Einen Herpes in der Speiseröhre oder im Darm kann man mit Glasfaser-Instrumenten untersuchen (Speiseröhren- oder Darmspiegelung).

Behandlung und Rezidiv-Prophylaxe

Herpes-Infektionen kann man mit Aciclovir (Zovirax) behandeln. Weitere Medikamente sind Valaciclovir (Valtrex) und Famciclovir (Famvir).

Aciclovir in Tablettenform (200 bis 800 mg fünfmal täglich für fünf bis zehn Tage) kann die Schwere einer oralen, genitalen oder analen Herpeserkrankung mildern. Bei schweren Fällen kann man Aciclovir auch per Infusion (über einen Tropf) geben. Das Medikament hat kaum Nebenwirkungen.

Aciclovir kann man auch täglich einnehmen (400 mg zweimal täglich), um die Häufigkeit und Schwere von Rezidiven zu verringern.

Aciclovir kann HSV nicht aus dem Körper entfernen, Rezidive sind also weiterhin möglich. Aciclovir-Salbe zur Behandlung von Lippenherpes bekommt man in der Apotheke, viele Ärzte stellen allerdings infrage, ob diese Behandlung wirklich wirksam ist. Manche Menschen greifen auch zu Salzlösung, Eiswürfeln (in ein Handtuch gewickelt), Lidocain-Gel oder Schmerzmitteln, um die Symptome zu lindern, und manchen hilft auch einfach Ruhe.

LGV

LGV (Lymphogranuloma venereum) wird durch eine bestimmte Form von Chlamydien verursacht.

LGV kommt vor allem in Afrika, Asien, Südamerika und Teilen der Karibik vor. Seit der Einführung der Antibiotika in den 1940er Jahren ist LGV in Europa sehr selten geworden.

Nichtsdestotrotz ist es in den letzten Jahren zu Ausbrüchen unter schwulen Männern in den Niederlanden, in Frankreich, Deutschland, Schweden, Großbritannien und den USA gekommen.

Übertragungswege und Schutzmaßnahmen

Die LGV-Ausbrüche in Europa betrafen vor allem schwule Männer, von denen die meisten HIV-positiv waren und außerdem weitere sexuell übertragbare Infektionen wie Gonorrhö, Syphilis, Herpes, Hepatitis B oder Hepatitis C hatten. Man nimmt an, dass dies mit bestimmten sexuellen Praktiken zu tun hat, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Gewebeverletzung höher ist (z. B. Fisten).

An LGV können aber sowohl Männer als auch Frauen erkranken, und zwar unabhängig von ihrem HIV-Status. LGV kann Penis, Vagina und Anus betreffen und beim Anal-, Oral und Vaginalverkehr übertragen werden.

Kondome sind ein sehr effektives Mittel, um das Risiko von STI-Übertragungen zu reduzieren – einschließlich des Risikos einer Übertragung von LGV-Erregern (die zu den Chlamydien gehören).

Beim Fisten Latex-Handschuhe verwenden und nicht zusammen mit anderen in denselben Gleitmitteltopf greifen. Auf diese Weise reduziert man das Risiko einer Übertragung von LGV-Erregern und anderen sexuell übertragbaren Erregern.

Symptome

LGV kann äußerst unangenehme Symptome verursachen. Bei den jüngsten Ausbrüchen in Europa kam es meistens zu Schmerzen und Entzündungen im Anus und Rektum (Proktitis). In einigen Fällen kommen geschwollene Lymphknoten in der Leiste hinzu, häufig auch ein blutiger oder schleimiger Ausfluss aus dem Darm sowie Störungen der Verdauung.

Ein unbehandeltes Lymphogranuloma venereum kann zum Anschwellen von Lymphknoten und Genitalien sowie zu Geschwüren führen und auch den Darm betreffen.

Diagnose

Bei Untersuchungen der sexuellen Gesundheit werden Sie auf verschiedene sexuell übertragbare Infektionen untersucht. Werden dabei Chlamydien in Ihrem Anus festgestellt, sollte die Klinik eine Probe an ein Speziallabor schicken, um festzustellen, ob es sich dabei um die LGV-Erreger handelt.

Wenn Sie vermuten oder befürchten, dass Sie eine LGV-Infektion haben könnten, sprechen Sie auf jeden Fall die Ärzte oder andere Mitglieder des Behandlungsteams in Ihrer Klinik darauf an.

Behandlung

LGV kann man mit einer 21-tägigen Antibiotikabehandlung heilen. Eingesetzt wird das orale Antibiotikum Doxycyclin. Dieses Antibiotikum wird auch zur Behandlung anderer sexuell übertragbare Infektionen (und einiger anderer Infektionen) verwendet, allerdings über einen kürzeren Zeitraum.

Während der Behandlung sollten Sie auf sexuelle Kontakte verzichten. Ihre letzten Sexualpartner sollten sich ebenfalls behandeln lassen.

Nicht-spezifische Urethritis (NSU)

Übertragungswege

Eine nicht-spezifische Urethritis (NSU; im Deutschen auch nicht-gonorrhoische Urethritis = NGU genannt) ist eine Entzündung der Harnröhre, also der Röhre, durch die der Urin und bei Männern auch das Sperma geleitet wird. Eine solche Entzündung kann durch verschiedene sexuell übertragbare Erreger wie z. B. Chlamydien verursacht werden. In sehr seltenen Fällen kann es auch eine andere Ursache geben, z. B. starke Reibung beim Sex oder eine Reizung durch Seife.

Symptome

Symptome einer NSU entwickeln sich normalerweise innerhalb einer Woche nach der Ansteckung. Wird eine NSU durch eine Reizung, z. B. durch Seife, ausgelöst, treten die Symptome meistens unmittelbar auf. Viele Menschen mit einer NSU haben aber überhaupt keine Symptome.

Wenn Symptome auftreten, sind das meistens Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und ein weißer oder milchiger Ausfluss, der vor allem morgens auftritt.

Diagnose

Bei Männern stellt man eine NSU durch einen Abstrich aus der Harnröhre fest, was kurzzeitig unangenehm sein kann. In vielen Fällen lässt sich sofort erkennen, ob eine NSU vorliegt. Der Nachweis von Chlamydien kann manchmal bis zu einer Woche dauern.

Bei Frauen ist eine NSU schwerer zu diagnostizieren. Normalerweise nimmt man einen Abstrich von den Genitalien (z. B. von der Vulva, der Vagina oder dem Gebärmutterhals) und untersucht ihn auf STI-Erreger.

Behandlung

Eine NSU wird mit Antibiotika behandelt, in der Regel mit Doxycyclin über sieben Tage oder einer Einmaldosis Azithromycin. Wichtig ist, alle Tabletten zu nehmen – nur so kann man sicherstellen, dass sich keine Erreger mehr im Körper befinden. Nach der Einnahme von Azithromycin können die Symptome noch einige Tage anhalten, da das Antibiotikum einige Zeit bis zur vollen Wirkung braucht.

Bis zum Abschluss der Behandlung sollten Sie auf Sex verzichten (auch auf Sex mit Kondom). Ihre letzten Partner sollten sich nach Möglichkeit ebenfalls behandeln lassen, selbst dann, wenn sie keine Symptome haben.

Filzläuse

Filzläuse sind kleine Insekten, die aufgrund ihrer Krallen, mit denen sie sich an den Haaren festhalten, ein wenig an Krabben erinnern. Auch wenn Filzläuse sich bevorzugt in der Schambehaarung (in den Haaren rund um die Genitalien und den Anus) aufhalten, finden sie sich manchmal auch in anderen behaarten Körperregionen (vor allem unter den Achseln), selten sogar in den Augenbrauen und an den Wimpern.

Übertragungswege

Filzläuse werden normalerweise beim Sex übertragen, können aber auch bei anderen Formen des engen Körperkontakts weitergegeben werden. Außerdem können sie – seltener – auch bei der gemeinsamen Benutzung von Handtüchern, Bettwäsche oder Bekleidung übertragen werden.

Symptome und Diagnose

Einige Menschen bemerken einen Filzlausbefall schon nach wenigen Stunden, andere merken mehrere Wochen lang überhaupt nichts. Filzläuse sind sehr klein, sodass man sie nicht leicht erkennen kann. Zu den Symptomen gehört normalerweise aber ein Juckreiz in der Leiste, und manche Menschen erkennen auch die Läuseeier (Nissen), die fest an Schamhaare geklebt sind. In der Unterwäsche oder in Bettlaken können sich auch kleine Blutflecken finden.

Behandlung

Lotionen zum Abtöten der Läuse wie z. B. Malathion (Derbac-M) bekommt man rezeptfrei in der Apotheke oder kostenlos in Kliniken für sexuelle Gesundheit oder in GUM-Kliniken. Wichtig ist, die Anwendungshinweise genau zu befolgen, da sich der Befall sonst entweder nicht effektiv bekämpfen lässt oder bei zu großzügigem Einsatz des Mittels eine allergische Reaktion möglich ist. Derbac-M und ähnliche Lotionen sollte man nicht nach einem heißen Bad einnehmen.

Nach dem Beginn einer Behandlung müssen Sie alle Kleidungsstücke, Handtücher und Ihre Bettwäsche, die Sie seit dem Filzlausbefall benutzt haben, möglichst heiß waschen. Außerdem sollten Sie sicherstellen, dass Ihr Partner und weitere Personen, zu denen Sie engen körperlichen Kontakt hatten oder in deren Bett Sie geschlafen haben (oder die in Ihrem Bett geschlafen haben) sowie alle weiteren Mitglieder Ihres Haushalts parallel zu Ihnen ebenfalls eine Behandlung gegen Filzläuse vornehmen, um eine Wiederansteckung zu verhindern.

Krätze (Skabies)

Bei Krätze (Skabies) handelt es sich um einen Befall der Haut mit Krätzmilben. Sie leben in den oberen Hautschichten und graben Bohrgänge in die Hornhaut. Das führt vor allem nachts zu heftigem Juckreiz.

Übertragungswege

Krätzmilben werden sehr leicht bei (längerem) Hautkontakt mit einer infizierten Person oder durch gemeinsame Benutzung von Handtüchern oder Bettwäsche übertragen.

Symptome

Die Krätzmilben selbst kann man mit bloßem Auge nicht erkennen, aber ihre Bohrgänge hinterlassen rote Spuren in der Haut, meistens in den Fingerzwischenräumen, auf dem Handrücken, rund um den Bauch, an den Handgelenken, am Ellbogen, in den Achselhöhlen, an den Ellbogen, an den Genitalien, den Brüsten, am Gesäß sowie an den Füßen.

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z. B., aber nicht nur, wegen HIV) kann es zu großflächigem Ausschlag mit dicken Schuppen und intensivem Juckreiz kommen. Diese Form nennt man „krustige Skabies“ oder Scabies norvegica.

Behandlung

Die Lotionen gegen Filzläuse wirken auch gegen Krätzmilben, müssen aber unter Umständen länger auf dem Körper verbleiben (normalerweise 24 Stunden). Sie sollten auf den ganzen Körper mit Ausnahme von Gesicht und Kopfhaut aufgetragen werden (nach dem Händewaschen erneut auf die Hände auftragen).

Nach der Behandlung kann der Juckreiz vorübergehend schlimmer werden. In diesem Fall kann man eine Hydrocortison-Salbe auftragen. Die juckenden Stellen nicht kratzen.

Lotionen zur Skabies-Behandlung nicht nach einem heißen Bad auftragen.

Kleidung, Handtücher und Bettwäsche so heiß wie möglich waschen, um eine Weiterverbreitung oder Wiederansteckung zu verhindern. Wie bei Filzläusen ist es auch bei Krätzmilben wichtig, dass alle Menschen, mit denen Sie engen Körperkontakt hatten, sich parallel zu Ihnen ebenfalls behandeln lassen (um Wiederansteckungen zu vermeiden).

Weder Krätzmilben noch Filzläuse können HIV übertragen. Menschen mit lange bestehendem Filzlaus- oder Krätzmilbenbefall können sich unwohl fühlen (übrigens der Ursprung des Begriffs „lausig“). Eine unbehandelte Skabies kann ernste Hautreizungen hervorrufen.

Syphilis

Eine Syphilis ist eine bakterielle Infektion. Die Zahl der Fälle in Großbritannien und vielen anderen Ländern ist in den letzten Jahren stark gestiegen, dennoch ist Syphilis nach wie vor relativ selten. Es gibt zwei Hauptstadien der Krankheit, die frühe und die späte Infektion. Im frühen Stadium ist die Infektion hoch ansteckend.

Übertragungswege und Schutzmaßnahmen

Syphilis kann leicht beim ungeschützten Anal-, Oral- und Vaginalverkehr übertragen werden. Eine Übertragung ist auch durch sonstigen engen körperlichen Kontakt möglich. Eine Mutter kann Syphilis auf ihr Baby übertragen.

Reduzieren lässt sich das Risiko einer Syphilis-Übertragung durch Kondome beim Vaginal- oder Analverkehr, durch ein Kondom oder Dental Dam beim Oralverkehr und indem man Sexspielzeuge nicht gemeinsam verwendet.

Eine unbehandelte Syphilis im Frühstadium kann die Infektiosität von Menschen mit HIV erhöhen. HIV-Negative mit einer Syphilis haben ein höheres Risiko, sich bei einer Exposition mit HIV zu infizieren.

Symptome

Eine Syphilis kann mit verschiedenen Symptomen verbunden sein, aber auch völlig symptomlos bleiben. Im Frühstadium kann man die Symptome leicht übersehen. Bei Menschen mit HIV kann eine Syphilis schneller voranschreiten und schwerer verlaufen, außerdem können die Symptome abweichen.

Kurz nach der Ansteckung (also in der Phase der primären Syphilis, auch Primäraffekt genannt) kann ein kleines Knötchen an der Eintrittsstelle der Bakterien auftreten, das sich zu einem Geschwür mit hartem Rand (harter Schanker) ausweitet. Die Eintrittsstelle der Bakterien ist normalerweise am Penis oder im/am Anus, in/an der Vagina oder im Mund. Der Schanker tut meist nicht weh, heilt in der Regel schnell ab und kann von geschwollenen Lymphknoten begleitet werden.

Eine sekundäre Syphilis kann Hautausschlag am Rumpf, an den Handflächen und an den Fußsohlen, geschwollene Lymphknoten, Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, ein Klingeln in den Ohren und in seltenen Fällen eine Meningitis verursachen. Der Ausschlag und offene Stellen sind hoch infektiös. Eine sekundäre Syphilis entwickelt sich normalerweise innerhalb von sechs Monaten nach der Ansteckung.

Wenn die Symptome verschwinden, geht die Infektion in eine latente Syphilis über. In den ersten Jahren dieses Stadiums können die Erreger weiterhin übertragen werden, normalerweise beim Sex oder durch sonstigen engen Körperkontakt. Nach einigen Jahren ist man in der Regel nicht mehr ansteckend, obwohl man selbst weiterhin infiziert ist.

Wird die Syphilis nicht behandelt, kann sich eine tertiäre Syphilis entwickeln, manchmal erst nach Jahren. In diesem Stadium können das Herz, das Gehirn, die Knochen und die Haut geschädigt werden. Eine unbehandelte Syphilis kann zum Tod führen.

Diagnose

Bei einer Routine-Untersuchung der sexuellen Gesundheit werden Sie auch auf Syphilis untersucht. Findet man Geschwüre, wird ein Abstrich vorgenommen. In vielen HIV-Kliniken gehören regelmäßige Syphilistests zur Standard-HIV-Behandlung. Es kann bis zu drei Monate dauern, bis ein Syphilistest eine Infektion zuverlässig nachweisen kann. Bei einem Test kurz nach einer Exposition kann eine Infektion also möglicherweise nicht festgestellt werden.

Bei Menschen mit HIV fällt ein Syphilistest manchmal außerdem falsch negativ aus.

Wenn eine Beteiligung des Gehirns vermutet wird, kann man eine Lumbalpunktion (auch Rückenmarkspunktion genannt) durchführen, um die Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit zu untersuchen.

Behandlung

Eine Syphilis wird in der Regel mit Penicillin-Spritzen behandelt. Bei Penicillin-Allergie kann man auch Doxycyclin-Tabletten einnehmen. Damit die Syphilis vollständig geheilt wird, ist es wichtig, sich alle verschriebenen Spritzen geben zu lassen bzw. alle Tabletten zu nehmen und den Behandlungserfolg nach Therapieende und bei mehreren weiteren Blutuntersuchungen überprüfen zu lassen. Damit Sie keine Partner mit Syphilis infizieren oder sich selbst wieder anstecken, sollten Sie so lange auf alle sexuellen Kontakte verzichten, bis die Therapie abgeschlossen ist und Sie „grünes Licht“ bekommen haben.

Die letzten Sexpartner sollten sich ebenfalls testen und gegebenenfalls behandeln lassen.

Nach dem Behandlungsende werden in regelmäßigen Abständen Folgeuntersuchungen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Infektion vollständig besiegt wurde. Besonders wichtig ist dies für Menschen mit HIV, da die Gefahr eines Wiederauftretens der Syphilis bei ihnen höher ist.

Trichomonasis

Der kleine Parasit Trichomonas vaginalis bzw. urogenitalis ist der Erreger der weit verbreiteten sexuell übertragbaren Infektion Trichomoniasis.

Übertragungswege und Schutzmaßnahmen

Eine Trichomoniasis wird beim ungeschützten Sex übertragen. Das Übertragungsrisiko senken kann man durch Verwendung von Kondomen beim Vaginal- oder Analverkehr, durch Benutzung eines Kondoms oder Dental Dams beim Oralverkehr und indem man Sexspielzeuge nicht gemeinsam verwendet. Frauen, die Sex mit Frauen haben, sollten auch beim Reiben ihrer Vulva an der Vulva ihrer Partnerin ein Dental Dam verwenden.

Symptome

Bei Frauen kann sich eine Trichomoniasis in schwerem vaginalem Ausfluss, vaginalem Juckreiz, Schmerzen im unteren Rücken, Schmerzen beim Sex und häufigem Harndrang äußern. Männer bleiben oft symptomlos; wenn Symptome auftreten, sind das meist ein Ausfluss aus dem Penis, brennender Schmerz beim Wasserlassen und häufiger Harndrang.

Diagnose

Abstriche von der Vagina oder dem Penis werden unter dem Mikroskop auf Trichomonaden untersucht. Häufig lässt sich sofort sagen, ob eine Infektion vorliegt. Aus einem Abstrich kann man auch eine Kultur anlegen; die Ergebnisse liegen nach einer Woche vor.

Behandlung

Eine Trichomoniasis wird antibiotisch behandelt. Wichtig ist, alle verschriebenen Tabletten einzunehmen, um sicherzustellen, dass die Erreger vollständig aus Ihrem Körper entfernt werden. Nach einer Woche wird man Sie zu einer Nachuntersuchung bitten, um den Therapieerfolg zu kontrollieren. Bis Ihre Behandlung und die Behandlung Ihrer letzten Partner abgeschlossen ist, sollten Sie keinen Sex haben (auch keinen Sex mit Kondom), um eine Übertragung der Erreger bzw. eine Wiederansteckung zu vermeiden.

Weitere Infektionen

Beim Sex können auch andere Infektionen übertragen werden. Sexuelle Praktiken, bei denen es zum Kontakt mit Ausscheidungen (selbst in kleinsten Spuren) kommt, z. B. Rimming, Analverkehr oder Fisting, können zu Infektionen mit Erregern von Darmkrankheiten wie Giardiasis oder Kryptosporidiose führen. Diese können mit heftigem Durchfall sowie Erbrechen verbunden sein und müssen mit Antibiotika behandelt werden.